FX Trading Know-How: Linien-und Balkencharts

 

Bei der Darstellung von Kursverläufen stehen Anlegern verschiedene Optionen zur Auswahl. Die am häufigsten verwendeten Charts im Forex Handel sind Linien- und Balkencharts. Liniencharts stellen eine Verkettung von Punkten zu einer durchgezogenen Linie dar. Immer dann, wenn eine Zeitperiode zu Ende ist (dies kann eine Minute, eine Stunde, ein Tag oder auch ein Monat sein, die Einstellung des Periodenintervalls obliegt dem Nutzer) entsteht ein neuer Punkt. Auch wenn Liniencharts in den Medien sehr häufig verwendet werden, sind sie –insbesondere bei längeren Periodenintervallen –wenig aussagekräftig. Anleger die Liniencharts verwenden, verschenken viele wertvolle Informationen. Ein Tageschart beispielsweise besteht bei Liniencharts nur aus dem Tagesschlusskurs. Über den höchsten und den tiefsten Kurs am betreffenden Handelstag wird jedoch nichts ausgesagt.

Im unteren Bild ist ein Linienchart dargestellt. Er zeigt die Entwicklung des EUR/USD-Wechselkurses im Zeitraum von Juni bis Dezember 2008. In diesem Beispiel sind steigende Kurse mit blauer und fallende Notierungen mit roter Farbe gekennzeichnet. Der Chart sagt nichts darüber aus, wie hoch die Kurse an einem bestimmten Tag waren, sondern gibt nur den Schlusskurs an. Dieser ist im Forex-Markt von deutlich geringerem Wert als bei Aktien, bei denen der letzte Kurs einer Handelssitzung mehr aussagt. Da Devisen aber prinzipiell rund um die Uhr gehandelt werden, ist der Schlusskurs eines Währungspaares eigentlich kein Schlusskurs, sondern ein beliebiger Kurs, was seine Aussagekraft zusätzlich schmälert. Anleger sind gut beraten, auf den Einsatz von Liniencharts zu verzichten, auch wenn die Übersicht scheinbar besonders gut ist. Die vermeintlich gute Lesbarkeit resultiert ausschließlich aus dem Verzicht auf wesentliche Informationen.

Forex Linienchart

Besser eignen sich Balkencharts zur Analyse von Währungspaaren (und anderen Märkten).

Forex Balkenchart

Im obigen Bild ist derselbe Chart, der zuvor als Linienchart dargestellt wurde, als Balkenchart abgebildet. Jeder einzelne Balken bezieht sich hier auf einen Handelstag, wobei auch andere Zeitintervalle wie Sekunden, Minuten, Stunden oder Wochen möglich sind. Da im Währungshandel große Hebel zum Einsatz kommen, eignen sich besonders lange Zeitintervalle in der Regel nicht.

Balken setzen sich aus vier Kursen zusammen: Dem Eröffnungs- und Schlusskurs der Periode sowie dem Höchst- und dem Tiefstkurs. Die vertikale Linie des Balkens ist die Verbindung von High und Low, auf der linken Seite findet sich der Eröffnungskurs und rechts ist der Schlusskurs vermerkt. Im Beispiel sind Tage, an denen der Schluss- über dem Eröffnungskurs liegt, blau eingefärbt und Tage, an denen Kursverluste verzeichnet wurden, rot. Aus Balkencharts lässt sich schon deutlich mehr herauslesen als aus Liniencharts. Steigt der Kurs eines Währungspaares beispielsweise an einem Tag sehr stark an, schließt dann aber unterhalb des Vortages-Niveaus, gilt dies in der Technischen Analyse als Hinweis auf eine mögliche Trendumkehr. Voraussetzung für eine solche Indikation ist freilich, dass vor dem betreffenden Tag ein Aufwärtstrend existiert hat. Der vorletzte Handelstag im obigen Beispiel ist so ein Tag. Der EUR/USD-Kurs eröffnete bei 1,4404 und stieg in der Spitze bis auf 1,4718. Daraufhin gab der Kurs allerdings wieder deutlich nach und schloss bei 1,4291. Dies kann als deutlicher Hinweis auf eine bevorstehende Gegenbewegung interpretiert werden, die dann am darauffolgenden Tag auch tatsächlich einsetzte. Das Beispiel zeigt zwar keinen klassischen Umkehrtag (dazu hätte der Schlusskurs unter dem Tiefstkurs des Vortages liegen und mit dem Tiefstkurs des aktuellen Tages identisch sein müssen), veranschaulicht aber dennoch, wie wertvoll die Informationen eines Balkencharts sein können. Der Linienchart hätte einen geringfügigen Kursverlust gegenüber dem Vortag dokumentiert und damit die besondere Situation schlicht ignoriert.