Der Währungsmarkt wird von einer Vielzahl fundamentaler Faktoren beeinflusst, deren vollständige Darstellung an dieser Stelle jeglichen Rahmen sprengen würde. Grundsätzlich werden drei besonders wichtige Variablen laufend von dem Gros der Marktteilnehmer beobachtet: Inflation, Zinsen und Konjunktur. Inflation und Zinsen sind dabei vor allem im Hinblick auf ihren Einfluss auf die Zinsen von Bedeutung.
Der Zinssatz eines Währungsraumes ist –der Theorie nach- besonders wichtig für das Wertverhältnis einer Währung gegenüber anderen Währungen. Ist der Zinssatz in den USA beispielsweise deutlich höher als der in Euroland, lohnt es sich für Investoren aus Europa, Geld in den USA anzulegen. Sie kaufen darum amerikanische Wertpapiere, wie zum Beispiel Staatsanleihen. Um diese erwerben zu können, benötigen sie US-Dollar und kaufen diesen entsprechend – der Dollarkurs gegenüber dem Euro steigt dann. Umgekehrt würde ein höherer Zinssatz in Europa US-Investoren zum Erwerb europäischer Staatsanleihen motivieren, was dann analog zu einer stärkeren Nachfrage nach dem Euro und einer entsprechenden Aufwertung gegenüber dem Greenback führen würde.
Der Zinssatz eines Währungsraumes wird maßgeblich durch die jeweilige Zentralbank gesteuert. Diese wiederum achtet bei ihren Entscheidungen auf das makroökonomische Umfeld und hier insbesondere auf den Preisdruck, der durch die Inflation gemessen wird, und die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Aktivität, die anhand von Konjunkturindikatoren (wie dem BIP-Wachstum, Auftragseingängen der Industrie oder auch Stimmungsbarometern) beobachtet wird. Die Einbeziehung der Konjunktur in geldpolitische Überlegungen betrifft insbesondere die USA, während in Europa die Wahrung der Preisniveaustabilität im Vordergrund steht.
Eine hohe Inflation führt in der Regel zu Zinsanhebungen durch die Zentralbank. Starker Preisauftrieb wiederum findet sich insbesondere in den Boomphasen des Konjunkturzyklus. Somit gilt, dass eine erstarkende Konjunktur und steigende Preise tendenziell zu steigenden Zinsen führen, was ceteris paribus zu einer Aufwertung der Währung führt. Dieser Zusammenhang an sich ist allerdings von sehr geringer Aussagekraft, da stets auch immer die Entwicklungen in anderen Währungsräumen Einfluss auf die Wechselkurse haben. Die Theorie sieht folglich einen stärkeren Anstieg der Zinsen in den USA verglichen mit denen in Euroland als Stärkung für den Dollar.
In der Praxis können sich diese Zusammenhänge zwar in der Tendenz beobachten lassen, es ist allerdings keinesfalls möglich, allein Zinsschritte für einen Wechselkurs verantwortlich zu machen. Die Erwartungen der Marktteilnehmer, psychologische Aspekte und politische Einflüsse können Ebenfalls auf die Kurse einwirken. Dennoch: Notenbanksitzungen, Veröffentlichungen der Behörden zur Inflation und wichtige Konjunkturindikatoren haben merklichen Einfluss auf das Geschehen am Forex-Markt und gehören zu den Terminen, die jedem Trader bekannt sein sollten.
In früheren Zeiten war die Geldmenge M3 eine der am meisten von Devisenhändlern beachteten Größen, wenn es darum ging, den Zinssatz zu prognostizieren. In den letzten Jahren hat sich der Fokus hier jedoch klar zu Gunsten der gemessenen Inflationsrate verschoben. Die US-Notenbank veröffentlicht seit einiger Zeit die Geldmenge M3 gar nicht mehr, was zwar zu viel Kritik geführt hat, mittlerweile jedoch akzeptiert wird. Die Inflation wird in den USA wie auch in Euroland nicht nur am Verbraucherpreisindex, sondern auch den Erzeugerpreisen und der so genannten Kerninflation gemessen. Die Erzeugerpreise gelten als ein Frühindikator für die preisliche Entwicklung. Die Kerninflation bereinigt den Verbraucherpreisindex um die Preise für Energie und Nahrungsmittel und zeigt so an, wie sich die Preise allein durch die gesamtwirtschaftliche Dynamik verändern.
Wer mit Devisen handeln will und dabei nicht nur technische Analyseansätze im Blick hat, sollte sich mit den wichtigsten Makroökonomischen Grundlagen vertraut machen. Für Techniker gilt, dass die Kenntnis um wichtige Veröffentlichungen der benannten Daten vorhanden sein sollte.
