Eine noch bessere Chartdarstellung als Balkencharts sind Candlesticks. Die aus Japan stammenden Kerzen bieten zusätzliche Informationen. Sie bestehen aus einem Kerzenkörper und einem unteren sowie einem oberen Docht. Der höchste Punkt des oberen Dochtes stellt den Höchstkurs einer Periode dar, der niedrigste Punkt des unteren Dochtes definiert den Schlusskurs. Am Kerzenkörper sind Eröffnungs- sowie Schlusskurs zu erkennen, wobei die jeweilige Zuordnung des oberen und unteren Körperrandes davon abhängig ist, ob die Kurse in der betreffenden Periode gestiegen oder gefallen sind. Durch die farbliche Kennzeichnung von steigenden und fallenden Kerzen ist auf einen Blick ersichtlich, ob ein Bullen- oder ein Bärenmarkt vorliegt. Candlesticks bieten Möglichkeiten durch zahlreiche Muster und Kombinationen, die künftige Marktbewegungen indizieren. Sie stellen die unter Profis gebräuchlichste Chartart dar und werden gemeinhin in Kombination mit einer logarithmischen Skalierung verwendet, die relative und nicht absolute Kursbewegungen misst und dadurch auch bei längeren Betrachtungszeiträumen keine Verzerrungen zulässt. Kerzencharts sind in nahezu jeder Software vorhanden und werden auf allen Handelsplattformen mit Chartapplikation zur Verfügung gestellt. Die Anwendung wird auch in zahlreichen Büchern behandelt und kann auch von weniger erfahrenen Tradern leicht erlernt werden.
Einigen Candlestick-Formationen wird eine besonders hohe Aussagekraft zugeschrieben. Die wichtigsten und bekanntesten Muster sollen deshalb nachfolgend kurz erklärt werden.
Doji
Ein Doji ist eine Kerze ohne Körper. Der Kurs des betrachteten Marktes hat in der betreffenden Periode exakt dort geschlossen, wo er auch eröffnet hat. Das Doji indiziert einen unsicheren Markt, dessen Teilnehmer sich schwer tun, einen Preis zu finden. Je nach Ausprägung wird ein Doji als Pause in einem Trend betrachtet oder es indiziert eine Umkehr des Marktes. Die wichtigsten Dojis sind der Long-Legged-Doji, der Dragonfly Doji und der Gravstone Doji. Der Long-Legged-Doji zeichnet sich dadurch aus, dass sowohl oberhalb als auch unterhalb des Eröffnung- und Schlusskurs-Niveaus Handel stattgefunden hat. Die beiden Schatten (so werden die über und unter der horizontalen Linie eines Dojis verlaufenden Linien genannt) müssen dabei nicht zwingend gleich lang sein. Der Long-Legged-Doji kommt häufig inmitten eines Trends vor und deutet auf eine Atempause, keineswegs aber auf eine Trendumkehr hin. Der Handelsverlauf zeigt, dass es über und unter dem aktuellen Preis zu Angebots- bzw. Nachfragesteigerungen kam, woraus sich ersehen lässt, dass der Markt auf dem durch das Doji angezeigte Niveau nicht in einer Extremphase liegt.
Der Dragonfly-Doji sieht aus wie ein christliches Kreuz: Der obere Schatten ist deutlich kürzer als der untere und der Schlusskurs liegt nicht weit unterhalb des Höchstkurses. Dragonfly-Dojis sind grundsätzlich positiv zu bewerten, haben aber für sich gesehen eine nur begrenzte Aussagekraft. Deutlich mehr lässt sich aus Gravestone-Dojis ableiten: Das Open-Close-Niveau ist hier ganz unten am Candlechart – ein unterer Schatten existiert nicht. Gravestone-Dojis indizieren eine Trendumkehr, da oberhalb des Kursniveaus offensichtlich erheblicher Verkaufsdruck stattgefunden hat, was darauf hindeutet, dass das gegenwärtige Niveau kaum weiter ansteigen wird. Insbesondere am Ende von Aufwärtstrends ist die Aussagekraft von Gravestone-Dojis sehr nützlich.
Drehtops
Drehtops, im englischen Sprachgebrauch häufig auch als Spinning Tops bezeichnet, ähneln Dojis sehr stark, haben allerdings einen Körper. Der Schlusskurs liegt zwar nicht auf dem Niveau des Eröffnungskurses, die Spanne zwischen Open und Close ist jedoch gering. Drehtops am Ende eines Trends indizieren eine Trendumkehr und sind deshalb wichtig für Chartisten.
